Schon mit 25 Jahren wurden Sie HR-Chefin eines internationalen Unternehmens. Warum haben Sie sich gegen andere Bewerber durchgesetzt?

Erfolg ist kein Zufall. Der Weg dorthin war geprägt von Beharrlichkeit, Mut und Leidenschaft. Ich habe immer Spaß an dem gehabt, was ich tue, und ich habe mich nie gescheut, ins kalte Wasser zu springen. Angst hat mich nicht eingeholt – im Gegenteil, sie war für mich Antrieb. Ich habe mich von meinem inneren Gefühl leiten lassen und Entscheidungen nicht danach getroffen, was andere für richtig halten, sondern danach, was sich für mich richtig anfühlt.

Ich glaube, dass genau das meine Stärke war und ist: Entschlossenheit, Authentizität und die Fähigkeit, sowohl analytisch als auch menschlich zu führen. Ich habe mich nicht darauf konzentriert, die „Beste“ zu sein, sondern diejenige, die den Job mit voller Leidenschaft, Kompetenz und Überzeugung macht. Und genau das hat mich von anderen Bewerbern unterschieden.

Ich bin sehr ehrgeizig – und ich glaube, genau das hat auch unseren CEO bei meinem dreistündigen Bewerbungsgespräch überzeugt. Ja, ich war jung, aber ich wollte Dinge erreichen, Verantwortung übernehmen und Erfolge feiern. Dieser Wille, immer weiterzugehen und Herausforderungen aktiv anzunehmen, hat mir den Weg geebnet.

Inzwischen stehe ich seit drei Jahren an der Spitze unserer Personalabteilung und weiß, ich muss niemandem etwas beweisen. Meine Arbeit spricht für sich.

Sind Frauen die besseren Führungskräfte?

Ich würde es nicht pauschal so formulieren, dass Frauen bessere Führungskräfte sind. Aber sie bringen Eigenschaften mit, die in der modernen Arbeitswelt unverzichtbar geworden sind: Empathie, Kommunikationsstärke, die Fähigkeit, verschiedene Perspektiven zu integrieren. Frauen sind oft resilienter, weil sie es gewohnt sind, mehrere Rollen gleichzeitig zu meistern. In einer Zeit, in der Führung nicht mehr nur autoritär, sondern auch menschlich sein muss, haben Frauen definitiv einen Vorteil.

Welchen Führungsstil bevorzugen Sie und warum?

Ich glaube an situative Führung. Es gibt nicht „den einen“ Führungsstil, der immer passt. Aber in meiner Grundhaltung bin ich sehr transparent, nahbar und empathisch. Ich setze auf Vertrauen und Eigenverantwortung, weil ich überzeugt bin, dass Menschen nur dann ihr Potenzial entfalten, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen jemand vertraut und sie unterstützt. Da ich selbst zwischen zwei Welten aufgewachsen bin, habe ich außerdem ein feines Gespür für kulturelle Identitäten entwickelt, und arbeite bewusst mit verbindenden Elementen, um das Beste aus unserer Unterschiedlichkeit herauszuholen. Gleichzeitig kann ich klare Entscheidungen treffen und Strukturen schaffen – das ist für ein großes Unternehmen unabdingbar.

Über die Führung multikultureller Teams haben Sie auch ein Buch geschrieben. Woher stammte die Idee und wer sollte „Vom Culture Clash zur Culture Harmony“ lesen?

Das Buch bündelt Ergebnisse und Empfehlungen aus meiner Promotion. Als Frau mit Migrationshintergrund kenne ich das Gefühl der Zerrissenheit sehr gut – das „Dazwischen-Sein“, das einerseits eine Herausforderung ist, andererseits aber auch eine enorme Stärke. Diese persönliche Erfahrung hat meine Forschung geprägt und mir gezeigt, wie wichtig es ist, Brücken zwischen unterschiedlichen Kulturen zu bauen.

Die Idee für das Buch kam dann aus meiner Arbeit im internationalen Umfeld. Ich habe immer wieder gesehen, wie viel Potenzial verloren geht, wenn kulturelle Unterschiede nicht verstanden oder ignoriert werden. Genau da wollte ich ansetzen.

„Vom Culture Clash zur Culture Harmony“ richtet sich an Führungskräfte, die internationale Teams leiten, aber auch an junge Talente, die lernen wollen, Vielfalt als Stärke zu nutzen. Es zeigt, wie man kulturelle Diversität nicht als Problem, sondern als Ressource begreift – und wie Resilienz eine Schlüsselrolle spielt, um aus Unterschieden echte Zusammenarbeit und Innovation entstehen zu lassen.

Wie gehen Sie damit um, wenn ‚alte, weiße Männer‘ Ihre Kompetenz und Führungsstärke in Frage stellen? Kennen Sie auch Vorhaltungen, spätestens mit der Gründung einer Familie den Beruf nur noch hintanzustellen?

Leider ja. Früher haben mich solche Unterstellungen getriggert, heute reagiere ich gelassen. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann. Ich antworte mit Fakten und Ergebnissen – meine Arbeit spricht für sich.

Als ich meinen Posten übernommen habe, fragte mich ein älterer Herr in einer hohen Führungsposition in diesem Unternehmen spöttisch: „Sie, Sie wollen wirklich diese Position übernehmen?“ Meine Antwort war schlicht: „Ja.“ Heute – ein paar Jahre später – fragt derselbe Mann mich: „Wie schaffen Sie das, wie halten Sie diesen Druck aus?“ Das zeigt für mich sehr deutlich: Ich muss niemandem etwas beweisen.

Ich kann im Beruf alles geben und gleichzeitig Familienmensch sein. Die Zeit mit Familie und Freunden ist für mich ein bewusster Gegenpol zum Arbeitsalltag. Dort tanke ich Energie, finde Ruhe und werde geerdet. Für mich bedeutet Freizeit nicht, möglichst viele Aktivitäten in kurzer Zeit zu erledigen, sondern die Momente, die ich habe, wirklich wertzuschätzen.

Irgendwann möchte ich auch eine eigene Familie gründen. Karriere zu machen bedeutet meiner Meinung nach nie, auf ein erfülltes Privatleben zu verzichten – im Gegenteil. Ich glaube fest daran, dass man beides haben kann, wenn man bereit ist, bewusst zu priorisieren und eine gesunde Balance zu schaffen.

Und auch das ist Teil meiner Führungskompetenz, denn ich verstehe, dass mein Team auch noch ein Leben außerhalb des Jobs hat. (lacht)

Welche Ziele haben Sie noch? Wo sehen Sie sich in 10, 20 und 30 Jahren?

In 10 Jahren möchte ich als CEO ein großes internationales Unternehmen führen. Dabei geht es mir nicht darum, einfach nur „an der Spitze“ zu stehen, sondern eine klare Art von Führung zu verkörpern: innovativ, fördernd, mit einer offenen Kultur. Ich möchte ein Umfeld schaffen, in dem Menschen ihre Potenziale entfalten können, in dem Vielfalt nicht nur akzeptiert, sondern gelebt wird – und in dem wirtschaftlicher Erfolg und Menschlichkeit Hand in Hand gehen.

In 20 Jahren möchte ich zurückblicken können und sagen: Ich habe nicht nur Unternehmen geführt, sondern auch Führung neu definiert. Ich möchte zeigen, dass man mit Empathie, Transparenz und Mut genauso erfolgreich sein kann wie mit klassischen autoritären Modellen – wenn nicht sogar erfolgreicher.

In 30 Jahren sehe ich mich als Mentorin oder Professorin, die Wissen und Erfahrung an die nächste Generation weitergibt. Ich möchte junge Talente inspirieren, sie fördern und ihnen den Mut geben, ihren eigenen Weg zu gehen – unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Alter.

Die Expertin

Dr. sc. Büsra Bakar, Jahrgang 1997, ist eine echte Powerfrau. Sie gibt alles, um ihre Ziele zu erreichen und kann mit nicht einmal 30 Jahren schon auf zahlreiche Erfolge zurückblicken. In ihrer aktuellen Position als HR-Verantwortliche der ARCOTEL Gruppe mit Hotels in Österreich und Deutschland lebt sie ihren Traum und beweist täglich aufs Neue, wie herausragend junge Frauen in Führungspositionen sind.

Zum Thema Resilienz und Führung multikultureller Teams hat die Wienerin mit türkischen Wurzeln auch ein Buch geschrieben: Vom Culture Clash zur Culture Harmony, Wiley-VCH Verlag, 2025.

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